Mittwoch, 16. September 2015

Kunstmuseum Stuttgart: I GOT RHYTHM. KUNST UND JAZZ

Kunstmuseum Stuttgart

I GOT RHYTHM. 
KUNST UND JAZZ SEIT 1920

10. Oktober 2015 – 6. März 2016

In einem Parcours von den 1920er Jahren bis heute stellt die große Sonderausstellung »I Got Rhythm. Kunst und Jazz seit 1920« im Kunstmuseum Stuttgart die engen Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen Jazz und der bildenden Kunst dar.

Präsentiert werden vielfältige künstlerische Auseinandersetzungen mit Jazz, angefangen von Gemälden der klassischen Moderne über Werke der europäischen und amerikanischen Nachkriegsabstraktion bis hin zu Installationen und Videos der Gegenwart. »I Got Rhythm« versammelt Hauptwerke aus internationalen Museen und Sammlungen. Begleitend findet ein abwechslungsreiches Programm statt.

Der Jazz aus den USA eroberte in den 1920er und 1930er Jahren die Tanzsäle und Ballhäuser, Bars und Cafés, Varietés und Kinos in Europa im Sturm. Die neue Musik war das erste Pop-Phänomen, war Pop vor Pop und begeisterte die Bohème und das wohl situierte Großbürgertum genauso wie Jugendliche und Intellektuelle. Jazz und Swing als wilde und virtuose Tanzmusiken waren auch der Beginn von (widerständiger) Jugendkultur wie auch ihrer unmittelbaren Kommerzialisierung. Nicht zuletzt war diese Musik ein als authentisch wahrgenommenes Zeichen für den Beginn der afroamerikanischen Emanzipation.

Die Ausstellung »I Got Rhythm. Kunst und Jazz seit 1920« zeigt anhand herausragender künstlerischer Arbeiten, dass der Jazz von Beginn an eine bemerkenswerte Rezeption in der Kunstszene Europas hervorgerufen hat. Im Jazz zeigte sich zum ersten Mal die Verbindung zwischen populärer Kultur und Kunst. Größen des Jazz-Zeitalters wie Louis Armstrong und Josephine Baker avancierten in den 1920er und 1930er Jahren in Europa zu Weltstars, auf die sich Adolf Loos oder Piet Mondrian ausdrücklich bezogen. Ebenso setzten sich bildende Künstler wie František Kupka, Kees van Dongen, Otto Dix, George Grosz, Henri Matisse und Fernand Léger mit dem Jazz und seinen Protagonisten auseinander. Und auch das Bauhaus stand ganz im Zeichen des Swing. In Amerika selbst war der Jazz Schatztruhe und kultureller Motor, in dessen komplexen Rhythmen sich das moderne Maschinenzeitalter widerspiegelte.

In der afroamerikanischen Bewegung der Harlem Renaissance engagierten sich neben Literaten und bildenden Künstlern vor allem Musiker wie Duke Ellington und Billie Holiday, deren Werke neues schwarzes Selbstbewusstsein ausdrückten.

Bis in die 1950er und 1960er Jahre hinein war der Jazz dialektisches Synonym für populäre Musik und immer stärker auch intellektuelle kritische Praxis. Bebop, Free Jazz und Abstraktion verkörperten idealtypisch den Modernismus und das westliche Freiheitsparadigma während des Kalten Krieges. Selbstverständlich hörte Jackson Pollock tage- und nächtelang nur Jazz, während er an seinen Bildern arbeitete. 

Und natürlich entwarf Andy Warhol Plattencover für die legendären Blue Note Records. Auf der anderen Seite des Atlantiks veranstaltete K.R.H. Sonderborg, der in der NS-Zeit als Swing Boy verhaftet worden war, in Stuttgart malerische Aktionen gemeinsam mit Jazz-Musikern. Von Dada bis Fluxus, von Pop Art bis Graffiti lassen sich enge Beziehungen und zahlreiche Überschneidungen zwischen den verschiedenen kulturellen Praktiken aufzeigen. Und auch in der Gegenwart finden sich zahlreiche Belege dafür, dass der Jazz unmittelbar künstlerische Prozesse, Ideen und Produktionen beeinflusst.

Um die Beziehung von bildender Kunst und Jazz aufzuzeigen, wird es Musikstationen mit ausgewählten Hörbeispielen geben, die in unmittelbarer Beziehung zum Künstler/zur Künstlerin bzw. zum ausgestellten Werk stehen. Damit erhalten die Besucherinnen und Besucher im Rahmen der Ausstellung auch einen präzisen Überblick über die Geschichte des Jazz im 20. und 21. Jahrhundert.

Begleitend erscheint ein umfangreicher, zweisprachiger Katalog mit Beiträgen renommierter Autoren und Autorinnen zum Thema. Unterstützt von einem abwechslungsreichen Begleitprogramm wird »I Got Rhythm. Kunst und Jazz seit 1920« zu einem Kulturhighlight 2015.

Info:


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Samstag, 12. September 2015

Joachim Eberle / Martin Lehr: GeoWandern rund um Stuttgart

Joachim Eberle / Martin Lehr:
GeoWandern rund um Stuttgart

Gäulandschaften · Keuperbergland · Albvorland · Schwäbische Alb

35 Touren




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Freitag, 28. August 2015

Ingmar Volkmann, Martin Stollberg: 55 ½ Orte auf dem Wasen, die man gesehen haben muss

Ingmar Volkmann, Martin Stollberg

55 ½ Orte auf dem Wasen, die man gesehen haben muss



Stuttgart hat ja viele Sehenswürdigkeiten. Oper, Ballett, Kunstmuseen, Linden-Museum, Mercedesmuseum, Porschemuseum, Fernsehturm und und und. Aber es hat noch eines, was die Leute aus nah und fern anzieht: den Stuttgarter Wasen.

So wird das traditionsreiche Volksfest, das an Bedeutung wohl gleich nach dem Münchner Oktoberfest kommt - und das auch auf den gleichen Wortstamm zurückgeht, genannt.

Einmal im Jahr, im Herbst, herrscht also in Stuttgart, ebenso wie in München, Ausnahmezeit. Der neue Wasen-Boom zeigt sich unter anderem darin, dass die Trachten-Mode längst auch in Stuttgart Hochkonjunktur hat, obwohl es keinen historischen Bezug zur baden-württembergischen Landeshauptstadt gibt – in Dirndl und Lederhose schmeckt die Maß offenbar noch besser. Sei es den Dirndl- und Trachtträgern aber verziehen, dass sie sich eine bayerisch angehauchte Tracht anziehen - man könnte auch boshafterweise sagen: Besser einer von denen liegt besoffen unter dem Tisch als einer in schwäbischer Tracht … - aber das wollen wir ja nicht. Wir wollen ja feiern. Und sei es auf weißblau-karierten Tischtüchern

D a s Fest, nein d i e Feste der Stuttgarter!
Der Cannstatter Wasen ist also angesagt wie nie zuvor. Längst muss sich das Volksfest nicht mehr hinter dem Münchner Oktoberfest verstecken. Das Besondere am Wasen: Während in München nur einmal im Jahr groß aufgetischt wird, gehen in Bad Cannstatt zweimal im Jahr die Krüge hoch. Das Frühlingsfest ist das größte seiner Art in Europa, der Wasen im Herbst ein Pflichttermin für alle Feierbiester von Norddeutschland bis Italien.

Autor und Fotograf haben sagenhafte 55 1/2 Orte zusammengetragen, beschrieben und fotografiert, wegen denen es sich lohnt, auf den Wasen zu gehen. Und sei es nur der Pissrinne wegen - denn wo gibt es sowas sonst noch?

Zu Autor und Fotograf
Ingmar Volkmann ist Redakteur in der Lokalredaktion der Stuttgarter Zeitung. Nach Abschluss des Geschichts-, Anglistik und Germanistik-Studiums volontierte er beim Stuttgartmagazin Lift. Die Redaktion des Monatstitels leitete er von 2007 bis 2012. Bei der StZ ist er seit 2012 für gutes Essen, ausgefallenes Trinken und popkulturelle Themen zuständig. Dem Wasen stand er zunächst skeptisch gegenüber, heute taucht er mit großem Vergnügen zweimal im Jahr in die wundersame Welt der Schausteller und Festzeltwirte ein.

Martin Stollberg studierte in Edinburgh Fotografie und machte dort 2004 das Higher National Diploma. Nach einem Auslandseinsatz als Fotograf für die Bundeswehr wechselte er zur Fotoagentur factum–fotojournalismus in Stuttgart, wo er als fest angestellter Fotograf hauptsächlich für die Stuttgarter Zeitung tätig war. Seit 2007 ist Martin Stollberg selbstständig vorwiegend im Bereich Pressefotografie tätig.

Ingmar Volkmann, Martin Stollberg: 55 ½ Orte auf dem Wasen, die man gesehen haben muss. 144 Seiten. Mit zahlreichen Fotografien von Martin Stollberg. Broschur. 11 x 16,7 cm. Emons Verlag. ISBN 978-3-95451-673-5. Euro 7,95 [D] , 8,20 [AT]


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Freitag, 21. August 2015

Städtefotografie: in der Kirche

Gute Bilder aus dem Städteurlaub 

 Der Sommer ist Urlaubszeit Nummer 1. Jeder, der nicht zufällig am Strand in der Sonne liegt oder in den Bergen herumwandert, fährt in mehr oder weniger berühmte Städte, um sich deren architektonische Meisterwerke zu Gemüte zu führen. 

Dabei kommen Kirchen traditionell an vorderster Stelle. Sie bieten tiefe Einblicke in die Bauart und Denkweise der Menschen in vergangenen Jahrhunderten. 

 Kirchen sind interessante Bauten, die Geschichte aus häufig hunderten von Jahren preisgeben können. Sie wurden unter schwierigsten Verhältnissen aufgebaut und es wurden dutzende Bilder und Lebenswerke darin verewigt. Dabei ist es häufig schwierig, diese herrlichen Bauten abzulichten. Denn häufig möchte man den Freunden und Bekannten erzählen, wo man denn seine arbeitsfreie Zeit dieses Jahr verbracht hat. 

Dies funktioniert allerdings am besten mit eigenen Bildern. Dass das Fotografieren in Kirchen gar nicht mal so einfach ist, sollte den meisten Hobbyfotografen klar sein. Schwierigkeiten sind zur Genüge da. Erst wenn man in einer Kirche überhaupt fotografieren darf, kommen die einzelnen Problemfelder hervor. 


 Fotobuch Freistadt 

In den meisten Kirchen ist es relativ dunkel. Die farbigen Fenster lassen nicht viel Licht herein. Ist das Wetter düster, so eignet es sich perfekt, um Städte und insbesondere Kirchen zu besuchen. Allerdings macht es für die Arbeit für einen Fotografen in Kirchen ungemein schwieriger. Denn dadurch ändern sich auch die Lichtverhältnisse in den ohnehin dunklen Kirchen gewaltig.

 Es ist eine besondere Herausforderung, darin gute Fotos zu schaffen. Nicht selten wird auch die freie Sicht versperrt, da es in Kirchen zahlreiche Säulen gibt, die die Lage erschweren. Doch auch hier heißt es – wie so oft im Leben – man muss sich an die Situation anpassen. 

Der Mensch, der sich am besten mit den Gegebenheiten auseinandersetzt und darauf reagiert, wird die besten Bilder erzeugen können. Zunächst ist es einmal ratsam, die gesamte Kirche vor dem Fotoshooting abzugehen. Es ist sinnvoll, sich die Gegebenheiten einzuprägen und bereits im Vorfeld die richtigen Positionen heraus zu suchen. Anschließend sollte man einige Punkte auswählen, die besondere Aufmerksamkeit erfahren sollen. Dies sind nicht selten die Fresken an der Kirchendecke. Aber auch die runden Fenster der gotischen Kirchen, die sogenannten Rosen, sind immer ein Foto wert. Sie sind je nach Zeit und Zustand meist genial schön erhalten und eignen sich für selbst erstellte Postkarten oder andere Fotogeschenke. Aber auch so manche Staute kann anvisiert werden. Es wichtig, sich dabei nicht zu sehr vom Hintergrund ablenken zu lassen. 

Dieser sollte bei sehr facettenreichen Motiven recht einfach und eintönig gehalten werden. So wird sichergestellt, dass der Vordergrund ausreichend Beachtung findet. Nur so wird das Hauptmotiv zum Mittelpunkt der Bilder. In Kirchen hat man häufig mit großen Entfernungen zu kämpfen. Dabei darf man nicht auf den Zoom vergessen. Dieser sollte möglichst effektiv eingesetzt werden, um an Stellen zu gelangen, die man körperlich gar nicht erreichen kann. In einigen Kirchen ist das Fotografieren mit Blitz zeitlich beschränkt.

So darf nicht selten während des Gottesdienstes oder an Vormittagen nicht mit Blitz abgelichtet werden. Dies dient zum einen dem Schutz von kulturellem Gut, zum anderen der Festlichkeit solcher Anlässe. Durch ein ständiges Blitzgewitter kommen sich die Gottesdienstbesucher eher vor, als wären sie am Laufsteg in Paris, als in einem renommierten Gotteshaus. Weiters kann die zu häufige Verwendung von Blitzlichtern zu nachhaltigen Schäden an Deckenfresken und Tafelmalereinen führen. 

Aus diesem Grund ist es ratsam, ein Stativ zu verwenden und mit langen Belichtungszeiten zu arbeiten. So kann ausreichend Licht eingefangen werden und die Gefahr der verwackelten Bilder wird minimiert. Weiters wird dadurch der Blitz und damit die Störung von religiösen Feiern und Andachten vermieden. Die einzelnen Besucher werden dies danken.

 echtFotobuch Softcover 

 In Kirchen gilt, wie am Strand oder sonst wo unter freiem Himmel: Die besten natürlichen Lichtverhältnisse findet man am frühen Morgen oder späten Nachmittag vor. Diese sollten unbedingt ausgenützt werden. Wenn das Licht weich einfällt und keine hohen Kontraste entstehen, werden die Bilder in Kathedralen und Domen einen noch imposanteren Eindruck beim Betrachter hinterlassen. 

Anders ist dies an bedeckten Tagen: Sollte der Himmel mit Wolken bedeckt sein, so werden die Aufnahmen in derartigen Räumen zusätzlich erschwert. Vielleicht hat man die Möglichkeit, an einem späteren Tag noch einmal in die Gebetshäuser zu kommen und Bilder bei besseren Lichtverhältnissen zu fertigen. Mit den Fresken können persönliche Fotogeschenke erzeugt werden. 

Diese sind wunderbare Geschenke für Verwandte und Freunde. Zusätzliche Ideen für interessante Fotogeschenke findet man übrigens auch im Internet. Die Seite Happyfoto.at zeigt umfangreiche Möglichkeiten vor, wie Bilder zu einem besonderen Fotogeschenk werden können. Dabei kommt es nicht selten vor, dass Kirchenbilder etwas aufgehellt werden müssen, um dem zukünftigen Betrachter ein gutes Ergebnis präsentieren zu können. 

Mit der passenden Software wird dies innerhalb kürzester Zeit geschehen sein, und kein Problem darstellen. Dabei ist es gar nicht notwendig, teure Fotosoftware zu erwerben. Einzelne Produkte sind heute teurer als 100€. Gerade für den Hobbyfotografen sind open-source-Produkte mehr als ausreichend. Außerdem hilft Happyfoto.at beim Bearbeiten der Bilder. Sie können vor jeder Bestellung einfach und schnell perfektioniert werden. 

Stefanie Fischer

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Montag, 20. Juli 2015

STUTTGART UND OTTO DIX: SELBSTBILDNIS MIT PALETTE VOR ROTEM VORHANG

STUTTGART UND OTTO DIX:
GEMÄLDE »SELBSTBILDNIS MIT PALETTE VOR ROTEM VORHANG« GEHÖRT NUN DEM KUNSTMUSEUM STUTTGART

Dank der großzügigen Unterstützung durch die Kulturstiftung der Länder, die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Landeshauptstadt Stuttgart und die Wüstenrot Stiftung ist es gelungen, das Werk dauerhaft für die Öffentlichkeit zu sichern.


»Dix’ Gemälde ist ein künstlerisches und zeitgeschichtliches Dokument ersten Ranges und ein Schlüsselwerk im Œuvre des Malers«, sagt Dr. Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseum Stuttgart. »Ich freue mich deshalb sehr, dass das Werk auch weiterhin der bedeutenden Dix-Sammlung in Stuttgart erhalten bleibt. Der Weggang dieses Gemäldes hätte nicht nur für den Bestand des Museums, sondern auch für die Landeshauptstadt Stuttgart einen schmerz-lichen Verlust bedeutet. Mein Dank gilt den großzügigen Geldgebern. Und auch den Besitzern möchte ich dafür danken, dass sie uns das Werk seit 1980 überlassen haben und es nun in unsere Hände geben.«

Seit 35 Jahren befand sich das Gemälde »Selbstbildnis mit Palette vor rotem Vorhang« (1942) von Otto Dix als Dauerleihgabe im Kunstmuseum Stuttgart. Die Besitzer hatten sich vor einiger Zeit dazu entschlossen, das Werk zu verkaufen und es zuerst dem Museum anzubieten. Der Erwerb des zentralen Gemäldes konnte mit Mitteln der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Landeshauptstadt Stuttgart sowie der Wüstenrot Stiftung getätigt werden.

»Wir unterstützen gerne den Ankauf des Gemäldes von Otto Dix, das zur Bereicherung der hochkarätigen Sammlung des Kunstmuseum Stuttgart beiträgt«, berichtet die Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport der Stadt Stuttgart Dr. Susanne Eisenmann. »Nur mit gemeinsamer Unterstützung wird es uns auch weiterhin gelingen, den Bürgern der Region wichtige Kunstwerke nahe zu bringen und Stuttgarts Image als lebendige Kultur- und Kunststadt zu festigen.«

Das bekannte Selbstbildnis nimmt im Schaffen von Otto Dix (1891–1969) eine herausragende Stellung ein. Der Künstler malte es 1942 in seinem Atelier in Hemmenhofen am Bodensee. Dorthin war Dix 1936 mit seiner Familie gezogen, nachdem er von den Nationalsozialisten aus seinem Amt an der Dresdener Kunstakademie vertrieben worden war und seine Werke als »entartet« diffamiert wurden. Heute betreibt das Kunstmuseum Stuttgart in dem Anwesen seine Außenstelle, das Museum Haus Dix.

»Selbstbildnis mit Palette vor rotem Vorhang« ist das letzte der bedeutenden Selbstporträts, die Dix seit den frühen 1920er-Jahren angefertigt hat. Entstanden auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs stellt sich Dix in dem Werk als blinder Seher dar, der den drohenden Untergang vorausahnt. Zugleich reflektiert er in dem Gemälde sein persönliches Schicksal im »Dritten Reich« sowie seinen Status als Maler von Zeitbildern. Das Bild gehört zu den intensivsten Porträts des Künstlers, da Dix seine ganze Ausdruckskraft auf die Wiedergabe der dunklen Augenpartie gelegt hat. Es zählt zu den Hauptwerken innerhalb des einzigartigen Bestands von Dix-Werken im Kunstmuseum Stuttgart. Beginnend mit dem frühen Werk »Selbstbildnis als Soldat« aus dem Jahr 1914 lassen sich anhand der Sammlung Leben und Werk des Künstlers von den Anfängen in Dresden bis in die letzten Lebensjahre am Bodensee aufzeigen.

»Kaum ein anderes Gemälde symbolisiert Otto Dix’ aufgezwungene innere Emigration für mich so eindrucksvoll wie sein Selbstbildnis von 1942. In der düsteren Vulkanlandschaft scheint die zerstörerische Kraft des Krieges auf, Dix lässt den Betrachter tief in sein Inneres blicken: Sichtlich gealtert, wirkt der Künstler grüblerisch, verzagt, mitgenommen. Mir war es wichtig, dass dieses intime Bildnis aus den Kriegsjahren weiter an der Seite von Dix’ früheren, im Ausdruck so andersartigen Werken gezeigt werden kann«, sagt Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, anlässlich der Erwerbungsförderung.

Auch Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung, freut sich über die Sicherung des Werks für Stuttgart: »Das Selbstporträt Dix’ kann an dem Ort bleiben, an dem es seine größte Strahlkraft entfaltet: in der Sammlung des Kunstmuseum Stuttgart mit seinem einzigartigen Dix-Bestand. Der aktuelle Ankauf entspricht damit einer ›Bewahrung‹ in Museumsbesitz, die Ernst von Siemens so wichtig war. Das Vermächtnis des Mäzens und Unternehmers sowie die großzügige Unterstützung der Siemens AG erlaubten es, die Möglichkeit zum Ankauf entschlossen wahrzunehmen.«

Joachim E. Schielke und Philip Kurz von der Wüstenrot Stiftung betonen: »Das Selbstbildnis von 1942 ist eines der wichtigsten Gemälde von Otto Dix. Ein Verkauf aus der Sammlung des Kunstmuseum Stuttgart sollte verhindert werden. Wir haben deshalb gerne mitgeholfen, dass dieses Werk der Dix-Sammlung und damit der Öffentlichkeit in Stuttgart als bedeutendes kulturelles Erbe erhalten bleibt.«


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