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Freitag, 15. März 2019

Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus

VfB:
Gedenk-Stele als Ort der Erinnerung

Grafik: Hans-Jürgen Trinkner

Mit einer künstlerisch gestalteten Gedenk-Stele hat der VfB Stuttgart auf seinem Clubgelände einen Ort der Erinnerung an diejenigen Mitglieder geschaffen, die im Zuge des Nationalsozialismus aus politischen Gründen aus dem Verein gedrängt oder aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit ausgeschlossen wurden. 

Am 27. Januar 2019, dem Internationalen Tag des Gedenkens der Opfer des Holocaust, hatte das Präsidium des VfB Stuttgart diese Mitglieder symbolisch wieder in den Verein aufgenommen.

Im Rahmen der feierlichen Enthüllung der Stele (am Freitag, 15. März 2019) stellte Wolfgang Dietrich, Präsident des VfB Stuttgart, deren besondere Bedeutung für den Verein hervor. Die Stele stehe für die im Zuge des NS-Regimes ausgeschiedenen und ausgeschlossenen Mitglieder, sie stehe aber auch ganz aktuell für ein klares Bekenntnis des VfB Stuttgart gegen Rassismus und Gewalt und für Vielfalt, Toleranz und Demokratie. „Unsere eigene Geschichte zeigt uns, wie wertvoll es ist, dass wir heute in Demokratie und Freiheit leben und unseren völkerverbindenden Sport über alle Grenzen hinweg frei ausüben können. 


„Als größter Sportverein in Baden-Württemberg sehe ich uns in der Verantwortung, dass wir einen bleibenden Beitrag dazu leisten, uns diesen Wert immer wieder neu vor Augen führen“, so Dietrich. Dietrich betonte, dass der VfB als Verein für möglichst viele Menschen, ungeachtet ihrer politischen Einstellung, Religion oder Herkunft, sportliche Heimat sein will.  Ebenso beteiligt sich der VfB Stuttgart bereits seit vielen Jahren regelmäßig an Aktionen, die sich gegen Rassismus und Gewalt richten, wie beispielsweise aktuell an den Internationalen Wochen gegen Rassismus (14.3.-21.3.), die unter anderem von der DFL-Stiftung, dem Deutschen Fußballbund und vielen Bundesligavereinen unterstützt werden.

Fachlichen Rat und tatkräftige Hilfe hatte der VfB bei der Auswahl des Künstlers und des passenden Textes für die Gedenktafel von der Cannstatter Stolperstein Initiative erhalten. Rainer Redies, der im Rahmen der Feierlichkeiten von seinen Erfahrungen in der Erinnerungsarbeit berichtete, betonte, dass das Erinnern immer auch Widerstände erzeuge. Hier zahle sich Beharrlichkeit aus. Stellvertretend für den ebenfalls anwesenden Künstler Hans-Jürgen Trinkner erläuterte er das aus rauem Schieferstein geschaffene, rund eine Tonne schwere Werk.

Dr. Michael Blume, Beauftragter der Landesregierung gegen Antisemitismus, begrüßte in seinem Grußwort den Umgang des VfB Stuttgart mit diesem schwierigen Kapitel deutscher Geschichte. „Es ist gut, dass der VfB Stuttgart sich an die Mitglieder des Vereins erinnert, die vor oder während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft den VfB verlassen haben oder ausgeschlossen wurden. Diese Ausgrenzungen Anfang der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts waren der Auftakt für den Schrecken, die Brutalität und den Zynismus, mit denen Millionen von Menschen vertrieben, gequält und ermordet wurde.

Wo einzelne Menschen oder ganze Gruppen ausgeschlossen werden, wo ihnen das Mitspracherecht und die Beteiligung am täglichen Leben verweigert werden, da zerbricht jedes Vertrauen, jede Rechtsstaatlichkeit, jede Chance für Dialog – auch im Sport. Ich bin dankbar, dass immer mehr Sportvereine darüber reden. Antisemitismus und Hass auf Andere haben bei uns keinen Platz – nicht in der Politik, nicht in der Gesellschaft, nicht in den sozialen Medien, nicht auf dem Fußballplatz und nicht auf den Zuschauerrängen.“, so Dr. Blume.

Von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) waren das Mitglied der Repräsentanz Mihail Rubinstein und der Stuttgarter Ortsrabbiner Yehuda Pushkin während der Feierlichkeiten anwesend. Mihail Rubinstein wies in seinem Grußwort auf die doppelte Bedeutung der Stele hin: „Mit der Erinnerung an die Shoah ist diese Stele nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern gerade auch in dieser Zeit ein wichtiges Zeichen aus der Mitte der Gesellschaft heraus gegen Antisemitismus und für Toleranz und Menschlichkeit.“ Rabbiner Pushkin zitierte Psalm 16: „Du lässt meine Seele nicht dem Grab verfallen, Deine Frommen nicht die Gruft erblicken.“ Er verwies auf die Wiederauferstehung und das ewige Leben indem er sagte „Wir glauben an die Wiederauferstehung der Toten. Und trotz des ganzen Schmerzes ist unser Glaube stark, dass am Ende der Tage die Toten auferstehen werden zu ewigem Leben.“

Gregor Hofmann, der Verfasser des wissenschaftlichen Bandes „Der VfB und der Nationalsozialismus“, der im Oktober 2018 in der Schriftenreihe des Institutes für Sportgeschichte Baden-Württemberg e. V. erschienen ist, zeigt sich erfreut über die Maßnahmen, die der Club seit der Veröffentlichung umgesetzt hat: „Es ist ein gutes und wichtiges Signal, dass der VfB nicht nur offen mit den Ergebnissen meiner Arbeit umgeht und ihre Veröffentlichung unterstützt hat, sondern seine ausgeschlossenen Mitglieder rehabilitiert und sich dies nun in der Gedenk-Stele manifestiert - das freut mich besonders!“, so Hofmann.

Die Bemühungen des VfB Stuttgart, seine eigene Vereinsgeschichte aufzuarbeiten, enden nicht mit der Enthüllung der Stele. Über seine Homepage und Social-Media-Kanäle ruft der Club im Rahmen eines Aufarbeitungsprojektes „VfB Mitglieder 1932-1945“ weiter dazu auf, den VfB bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung dieser Periode zu unterstützen und dafür im Privatbesitz befindliches relevantes Material zur Verfügung zu stellen.

Hintergrundinformationen
Beschreibung der Gedenk-Stele des Künstlers Hans-Jürgen Trinkner durch Rainer Redies

Mit seiner rauen, dunklen Oberfläche symbolisiert der Stein die düstere Periode der Deutschen Geschichte. In Anlehnung an den Text, welchen die Stele trägt, soll der Stein nicht geglättet und nicht beschönigt werden. Der Schieferblock ist gespalten, wie die damals politisch oder rassistisch diskriminierten Mitglieder abgespalten wurden. Dagegen steht die als Klammer geformte Tafel für Zusammenhalt und lässt den Text zum Bestandteil der Vereinsidentität werden. Zusammenhalt symbolisiert auch das leuchtende Rot, das Verbindung herstellt, die Spaltung aufhebt, Hoffnung macht und an das Leben erinnert. Als Vereinsfarbe nimmt es nicht zuletzt Bezug auf die farbliche Gestaltung der Umgebung. Als Gesamtwerk stehen Text und Stele mit wenigen Worten, aber knapp einer Tonne Gewicht, für die Unverrückbarkeit des Bekenntnisses des VfB Stuttgart zu Vielfalt, Toleranz und Demokratie.


Text der Gedenktafel

Wir erinnern an unsere Mitglieder,
die uns ab 1932 aus politischer Überzeugung verlassen haben
oder ab 1933 als Juden zum Austritt genötigt und ausgeschlossen wurden.
Sie gehören zu uns.
Wir stehen gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung.
Wir stehen für Vielfalt, Toleranz und Demokratie.

VfB Stuttgart


Hier finden Sie einen kleinen

 Film 

über die Enthüllung der Stele



Auch auf der Seite der Freien Kunstschule Stuttgart findet man Informationen zu diesem Projekt



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Dienstag, 9. Februar 2016

Tunnel zur Stadtbahnlinie U12 Hallschlag – Aubrücke

U12-Tunnel frei am 13. Februar 2016

Abschluss der Rohbauarbeiten Stadtbahntunnel U12 Hallschlag – Aubrücke


Installation von Hans-Jürgen Trinkner:
 25 567 Kaffeebecher vor einem  Bild des Reichstags

Die SSB lädt auf die Baustelle U12 im Hallschlag ein. Kunst- und sonstwie an der Stadtbahnlinie Interessierte erwartet eine interessante Mischung aus Kunst verschiedener Stilrichtungen: Architekturkunst - Ingenieurskunst - Objektkunst!

Dazu ist es das einzige Mal möglich, zu Fuß durch den Stadtbahntunnel zu gehen. Sollte man ausnützen!

U12-Tunnel fertig
Der Tunnel für die Stadtbahnlinie U12 und die Haltestelle Bottropper Straße sind im Rohbau fertig – in Kürze beginnt der Innenausbau mit Gleisen, Fahrleitung und Betriebs- und Steuerungstechnik. Bevor diese Arbeiten starten, kann der rund 500 Meter lange Tunnel besichtigt und zu Fuß durchquert werden. Die Stuttgarter Straßenbahnen AG und das Tiefbauamt der Stadt Stuttgart laden alle Interessierten herzlich am Samstag, 13. Februar 2016, 11 bis 16 Uhr auf die Baustelle ein.

Die Installation von Hans-Jürgen Trinkner vor der
Freien Kunstschule Stuttgart

Kunst und historischer Bezug
Neben Ingenieurs- und Architekturkunst ist auch die benachbarte Freie Kunstschule Stuttgart – Akademie für Kunst und Design engagiert. Sie präsentiert drei Projekte, die teilweise eine enge Verbindung zur Baustelle haben:

25 567 Travertinsteine von der Tunnelbaustelle hat der Student Hans-Jürgen Trinkner in seiner im Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges entstandenen Installation im Dialog mit ebenso vielen Kaffeeautomatenbechern zum Sprechen gebracht. Das großformatige Werk ist als Mahnmal gegen den Faschismus wesentlich von Richard von Weizsäckers Rede zum 8. Mai 1985 inspiriert. Zu sehen ist es auf dem Bahnsteig der zukünftigen Haltestelle Bottroper Straße.



Ebenfalls historische Dimensionen hat das Werk von Tine Anlauff-Haase, welches sich mit der Bedeutung des theologischen Erbes Martin Luthers für unsere Gesellschaft auseinander­setzt. Die im Tunnel platzierte Installation fordert durch performative und videographische Elemente zum Nachdenken über die „Baustelle Reformation“ heraus.


Den Blick ins Freie, zum Thema Kunst und Natur, lenken die von Studierenden der Freien Kunstschule Stuttgart erarbeiteten Modelle für die künstlerische Ausgestaltung des Eingangstores zum Travertinpark in der Bottroper Straße.

Weiter gibt es Informationen rund um den Tunnelbau, eine Ausstellung von Baumaschinen und natürlich auch Bewirtung durch den Musikverein Stuttgart-Münster e.V.

SSB, Tiefbauamt und Freie Kunstschule Stuttgart heißen die Gäste herzlich Willkommen!

Info:

  • Tunnel frei am Samstag, 13. Februar 2016, 11 bis 16 Uhr
  • Zugang: Direkt vom Bahnsteig der U12-Haltestelle Hallschlag oder von der U14-Haltestelle Elbestraße der U14
  • Bewirtung: Musikverein Münster
  • Festes Schuhwerk erforderlich
Weitere Informationen:


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